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  • 11. März 2026 11:24

Fehlinformationen zu Impfungen halten an: Sinkende Quoten und anhaltende Verunsicherung im Gesundheitsbereich

ByRoland Freimüller

Jan. 19, 2026

Fünf Jahre nach dem Pandemiehöhepunkt warnen WHO und nationale Behörden vor Desinformation – Masern-Ausbrüche und stagnierende COVID-Auffrischungen zeigen die Folgen

Berlin / Genf – Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigt sich „extrem besorgt“ über die anhaltende Verbreitung von Fehl- und Desinformationen zu Impfungen. In ihrem gemeinsamen Bericht mit UNICEF vom Juli 2025 betonte die Direktorin der WHO-Impfabteilung, Kate O’Brien, dass solche Inhalte maßgeblich zu sinkenden Impfraten beitragen.

Weltweit blieben im Jahr 2024 rund 30 Millionen Kinder unzureichend gegen Masern geschützt, obwohl eine Impfquote von mindestens 95 Prozent pro Land und Region notwendig wäre, um Ausbrüche zu verhindern. 60 Länder meldeten schwere Masern-Epidemien – mehr als doppelt so viele wie 2022.

In der WHO-Europa-Region, die 53 Länder bis nach Zentralasien umfasst, verdoppelten sich die Masernfälle 2024 auf über 125.000, während die Keuchhusten-Fälle auf fast 300.000 stiegen – jeweils ein Vielfaches der Vorjahreszahlen. Experten führen dies auf Impflücken zurück, die durch Skepsis und Fehlinformationen in sozialen Medien verstärkt werden. Ähnliche Trends zeigen sich auch bei anderen vermeidbaren Erkrankungen.

Situation in Deutschland, Österreich und der Schweiz

In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Lage vergleichbar. Das Robert Koch-Institut (RKI) und die Ständige Impfkommission (STIKO) empfehlen weiterhin jährliche Auffrischimpfungen gegen COVID-19 im Herbst für Risikogruppen: Personen ab 60 Jahren, chronisch Kranke ab sechs Monaten sowie Bewohner von Pflegeeinrichtungen.

Verfügbar sind angepasste Impfstoffe gegen Omikron-Subvarianten wie JN.1, KP.2 und LP.8.1 (mRNA von BioNTech/Pfizer sowie proteinbasiert von Novavax). Dennoch liegen die tatsächlichen Auffrischquoten in diesen Gruppen oft deutlich unter 50 Prozent. Die aktuellen Zahlen für die Saison 2025/2026 werden vom RKI laufend aktualisiert, zeigen aber einen anhaltenden Rückgang seit 2023.

Parallele Entwicklungen betreffen Grippe- und RSV-Impfungen, deren Akzeptanz ebenfalls abnimmt. Long COVID bleibt ein großes Thema: Schätzungen gehen von mindestens zehn Prozent der Infizierten aus, die länger als drei Monate unter Symptomen leiden.

In Deutschland belaufen sich die kumulierten Kosten durch Long COVID und verwandte Erkrankungen wie ME/CFS seit 2020 auf über 250 Milliarden Euro (Stand 2024/2025, ME/CFS Research Foundation). Das Bundesforschungsministerium hat daher die „Nationale Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen“ (2026–2036) mit einer Förderung von 500 Millionen Euro gestartet. Projekte wie QuoVadis LongCOVID (bis Ende 2026) und PEDNET-LC (bis 2028) sollen Epidemiologie und Versorgung verbessern.

Die Rolle von Fehlinformationen

Fehlinformationen folgen oft wiederkehrenden Mustern: Einzelne Fallberichte werden generalisiert, Langzeitdaten zu Impfsicherheit ignoriert oder verzerrt, Ängste vor Nebenwirkungen übertrieben dargestellt. Soziale Medien verstärken diese Inhalte durch Algorithmen, was für manche Anbieter ein wirtschaftliches Modell darstellt. Viele Betroffene bleiben in geschlossenen Informationskreisen, in denen seriöse Quellen wie RKI, Paul-Ehrlich-Institut, WHO oder unabhängige Faktenchecker kaum noch erreichbar sind.

Gesundheitsbehörden betonen, dass evidenzbasierte Kommunikation der Schlüssel bleibt. RKI und STIKO veröffentlichen regelmäßig aktualisierte FAQs und Daten, um gängige Missverständnisse zu adressieren. Experten raten, Zweifel im privaten und beruflichen Umfeld sachlich mit Quellen zu begegnen – etwa durch Verweis auf Langzeitstudien zur Impfsicherheit oder auf die nachweisbare Reduktion schwerer Verläufe.

Die Herausforderung ist groß: Gesellschaftliche Erschöpfung nach Jahren intensiver Debatten trifft auf eine anhaltende Infektionsdynamik. Dennoch zeigen die Zahlen – von Masern über Long COVID bis zu den COVID-Auffrischungen – dass Fehlinformationen konkrete gesundheitliche und wirtschaftliche Konsequenzen haben. Ob und wie sich das Vertrauen in präventive Maßnahmen langfristig stabilisieren lässt, hängt entscheidend von transparenter und nachvollziehbarer Aufklärungsarbeit ab.

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By Roland Freimüller

Roland Freimüller ist selbständiger psychosozialer Berater und Autor bei DMZ-News. Er schreibt zu Themen aus Wissenschaft, Gesundheit und gesellschaftlichen Entwicklungen. Seine Texte zeichnen sich durch Vielseitigkeit, fundierte Sachkenntnis und gründliche Recherche aus und bereiten komplexe Inhalte reflektiert und verständlich auf.

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