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  • 19. Februar 2026 8:30

36 Jahre nach der Erstürmung der Stasi-Zentrale: Ein Wendepunkt der Friedlichen Revolution

ByAnton Aeberhard

Jan. 16, 2026

Berlin – Am 15. Januar 1990 besetzten Tausende Bürgerinnen und Bürger die Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in der Normannenstraße im Berliner Stadtteil Lichtenberg. Ziel der Proteste war es, die fortgesetzte Vernichtung von Unterlagen zu stoppen und die Kontrolle über den zentralen Repressionsapparat der DDR zu übernehmen. Die Ereignisse gelten als ein entscheidender Moment der Friedlichen Revolution.

Nach dem Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 hatten sich in vielen Städten der DDR Bürgerkomitees gebildet, die begannen, Stasi-Dienststellen zu besetzen und Akten zu sichern. In Berlin spitzte sich die Lage Mitte Januar 1990 zu. Am Abend des 15. Januar versammelten sich Tausende Demonstrierende vor dem abgeschirmten Gelände der Stasi-Zentrale. Nach stundenlangen Protesten wurden die Tore geöffnet, Menschen drangen auf das Areal vor. Dabei kam es auch zu Sachbeschädigungen, unter anderem an Büros und Aktenvernichtungsanlagen. Entscheidend war jedoch, dass die systematische Zerstörung der Unterlagen weitgehend gestoppt werden konnte.

Die Sicherung der Akten bildete die Grundlage für die spätere juristische, politische und gesellschaftliche Aufarbeitung der SED-Diktatur. Allein in der Berliner Zentrale umfassten die Unterlagen mehr als 111 Regalkilometer. Seit Inkrafttreten des Stasi-Unterlagen-Gesetzes im Jahr 1992 haben Millionen Betroffene Einsicht in ihre Akten genommen. Die Dokumente ermöglichten persönliche Aufklärung über Überwachung, Zersetzungsmaßnahmen und Haft, aber auch Rehabilitierungen, Entschädigungsleistungen und strafrechtliche Ermittlungen gegen Verantwortliche.

Anlässlich des 36. Jahrestags würdigte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer den Mut der damaligen Demonstrantinnen und Demonstranten. In einer Erklärung des Beauftragten für Kultur und Medien erklärte er:

„Wir danken heute den Menschen, die mit der Einnahme der Stasi-Zentrale und der Stasi-Bezirksverwaltungen großen Mut bewiesen haben. Dieser Moment war ein Akt der Selbstbefreiung. Spätestens hier war klar: Die DDR war Geschichte. Mit dem Ende der Stasi war der Weg in die Freiheit unumkehrbar – und die Diktatur endgültig überwunden.“

Heute befindet sich auf dem ehemaligen Gelände des Ministeriums für Staatssicherheit der Campus für Demokratie. Dort ist unter anderem das Stasi-Unterlagen-Archiv des Bundesarchivs angesiedelt. Die Einrichtung betreibt Forschung, Bildungsarbeit und Ausstellungen zur Geschichte der DDR und der Staatssicherheit. Jährlich besuchen Zehntausende Menschen den Ort, darunter zahlreiche Schulklassen und Studierende.

Zum 36. Jahrestag organisierte das Bundesarchiv gemeinsam mit Partnern wie der Robert-Havemann-Gesellschaft, dem Bürgerkomitee 15. Januar und der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft einen Aktionstag unter dem Motto „Chronik einer Nacht“. Das Programm umfasste Führungen, Filmvorführungen, Audiowalks und Podiumsdiskussionen, die die Ereignisse vom Januar 1990 dokumentierten und historisch einordneten.

Einordnung

Die Erstürmung der Stasi-Zentrale steht bis heute für eine außergewöhnliche historische Erfahrung: Eine Geheimpolizei wurde durch zivilgesellschaftlichen Druck entmachtet, ohne dass es zu Blutvergießen kam, und ihre Akten wurden der öffentlichen Kontrolle zugänglich gemacht. International gilt der Umgang Deutschlands mit den Stasi-Unterlagen als Beispiel für transparente Aufarbeitung staatlichen Unrechts.

Vor dem Hintergrund aktueller Debatten über Überwachung, Datenschutz und autoritäre Entwicklungen erinnert der 15. Januar 1990 daran, dass demokratische Rechte nicht selbstverständlich sind. Die Arbeit des Stasi-Unterlagen-Archivs bleibt ein zentraler Bestandteil der Erinnerungskultur – nicht nur zur Anerkennung der Opfer, sondern auch als Mahnung für künftige Generationen.

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By Anton Aeberhard

Anton Aeberhard ist Journalist und schreibt zu gesundheitlichen, wissenschaftlichen sowie politischen und gesellschaftlichen Themen. Seine Beiträge befassen sich mit aktuellen Entwicklungen und deren Hintergründen. Seine Texte zeichnen sich durch analytische Tiefe und eine klare Gewichtung der zentralen Argumente aus.

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