Washington, 7. Januar 2026 – Präsident Donald Trump hat in einer improvisierten Ansprache vor republikanischen Abgeordneten im Kongress zahlreiche falsche oder irreführende Behauptungen aufgestellt. Die Rede, die er am 6. Januar – dem fünften Jahrestag des Sturms auf das Kapitol – im John F. Kennedy Center for the Performing Arts hielt, sollte eigentlich die Parteilinie für die bevorstehenden Midterm-Wahlen stärken. Stattdessen wich Trump vom Skript ab und wiederholte alte Narrative zu Themen wie Kriminalität, der Präsidentschaftswahl 2020, Inflation und Einwanderung. Eine Analyse zeigt mindestens 18 Ungenauigkeiten, von denen viele bereits in der Vergangenheit widerlegt wurden.
Veranstaltung und Appell an die Partei
Die Veranstaltung war als Retreat für die House Republicans gedacht, um Strategien für die Midterms zu besprechen. Trump warnte seine Parteikollegen eindringlich: „Ihr müsst die Midterms gewinnen, sonst finden sie einen Grund, mich anzuklagen“, so Teilnehmerberichte. Diese Sorge vor einem möglichen Impeachment-Verfahren dominierte Teile der Rede. Medien wie Reuters und die New York Times hoben den Fokus auf Trumps Appell an die Partei hervor.
Dennoch nutzte der Präsident die Gelegenheit, um breite Angriffe auf Demokraten, die Medien und frühere Ereignisse zu starten – oft mit faktenwidrigen Details.
Kriminalität in Washington: Verzerrte Darstellung
Trump behauptete, Washington D.C. sei „die sicherste Stadt des Landes“ und es habe in den letzten sieben Monaten keinen einzigen Mord gegeben – abgesehen von einem Angriff auf einen Nationalgardisten im November. Polizeistatistiken zeigen jedoch Dutzende weitere Tötungsdelikte in diesem Zeitraum. Allein im Dezember 2025 wurden mehrere Schussopfer gemeldet, darunter ein Mann, der am 31. Dezember getötet wurde. Der Kriminalitätsanalyst Jeff Asher bezeichnete Trumps Aussage als „offensichtlich nicht wahr“. Zwar ist die Schusskriminalität in der Hauptstadt gesunken, doch von der sichersten Stadt des Landes ist Washington weit entfernt.
Der Sturm auf das Kapitol: Schuldzuweisungen und Auslassungen
Am Jahrestag des 6. Januar 2021 sprach Trump nur knapp über den Angriff auf das Kapitol, der zu seiner zweiten Amtsanklage führte. Er warf dem Untersuchungsausschuss vor, nicht berichtet zu haben, dass er in seiner Rede vor dem Angriff die Menschen zu „friedlichem und patriotischem“ Verhalten aufgerufen habe. Der Ausschussbericht erwähnt diesen Satz jedoch – betont aber, dass er inmitten von 50 Minuten aggressiver Rhetorik stand, die die Menge aufheizte.
Trump wiederholte außerdem die Behauptung, Nancy Pelosi habe 10.000 Nationalgardisten abgelehnt. Dokumentaraufnahmen zeigen jedoch, dass Pelosi lediglich frustriert über die fehlende Vorbereitung war. Als Sprecherin des Hauses hatte sie keine Autorität über die Nationalgarde, die dem Präsidenten untersteht.
Konservative Medien werten Trumps Haltung als Versuch, die Ereignisse umzudeuten und die Schuld auf politische Gegner zu schieben. Demokraten nutzten den Jahrestag, um vor einer „Verharmlosung“ der Ereignisse zu warnen.
Wahlen und Wahlbetrug: Alte Vorwürfe ohne Beweise
Trump behauptete erneut, die Wahl 2020 sei „manipuliert“ gewesen und er habe Minnesota gewonnen – beides falsch. Er verlor den Bundesstaat dreimal, zuletzt 2024. Zur Briefwahl sagte er, die USA seien „das einzige Land, das per Post wählt“. Tatsächlich nutzen viele Länder wie Kanada, Deutschland und die Schweiz diese Methode erfolgreich. Selbst die von Trump zitierte Kommission unter Jimmy Carter empfahl 2005 keine Abschaffung der Briefwahl, sondern Verbesserungen.
Zur Wahl 2024 behauptete Trump, er habe Joe Biden um 30 Punkte geschlagen, bevor dieser ausstieg und Kamala Harris nominiert wurde. Umfragen zeigten lediglich einstellige Vorsprünge. Trump forderte außerdem ein nationales Wähler-ID-Gesetz, wie das SAVE Act, das im Senat gescheitert ist.
Wirtschaft und Inflation: Übertriebene Erfolge
Trump bezeichnete die Inflation bei seiner Amtsübernahme als „größte Inflation der Geschichte“. Tatsächlich lag die Rate im Juni 2022 bei 9,1 Prozent, deutlich unter historischen Höchstwerten wie 23,7 Prozent 1920. Bis zu seiner Amtseinführung 2025 war die Inflation auf 3 Prozent gesunken.
Auch zu Medikamentenpreisen sprach Trump von Reduktionen um „Tausende von Prozent“ – mathematisch unmöglich. Die behaupteten 18 Billionen Dollar an Investitionen in die USA waren überhöht und nicht als tatsächliche Mittel realisiert.
Die Abschaffung der Steuer auf Sozialversicherung betraf 2025 lediglich einen temporären Abzug von 6.000 Dollar für ältere Menschen. Benzinpreise unter zwei Dollar pro Gallone seien nur an 0,43 Prozent der Tankstellen verfügbar.
Weitere Themen: Einwanderung, Olympia und Ukraine
Trump wiederholte unbelegte Vorwürfe, Demokraten hätten Gefängnisse aus dem Kongo geleert und Insassen als Migranten in die USA geschickt – sowohl Experten als auch die Regierungen der Kongostaaten dementieren dies.
Zu Waldbränden in Los Angeles schob er die Schuld auf Wasserschutzmaßnahmen für Fische – eine Verbindung, die Fachleute ablehnen. Bei den Olympischen Spielen 2024 bezeichnete er zwei Boxerinnen als „Männer, die transitioniert sind“ – beide waren als Frauen geboren und identifizieren sich auch so.
Zur Ukraine behauptete Trump, sein Gespräch mit Präsident Selenskyj 2019 sei „perfekt“ aufgezeichnet worden. Tatsächlich gibt es keine vollständige US-Aufnahme, was zur ersten Amtsanklage führte.
Spaltung und Risiken
Trumps Rede unterstreicht die Spaltungen in der US-Politik. Während konservative Medien seinen Appell an die Basis loben, kritisieren unabhängige Fact-Checker ähnliche Muster in früheren Auftritten.
Für die Republikaner könnte die Rede motivierend wirken, birgt aber Risiken in einer polarisierten Wahlkampfphase. Die Midterms im November werden zeigen, ob Trumps Rhetorik Früchte trägt.
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