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  • 19. Februar 2026 8:04

Großflächiger Stromausfall in Berlin: Ermittlungen zu Brandanschlag auf kritische Infrastruktur dauern an

ByLena Wallner

Jan. 8, 2026

Berlin – Ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke im Berliner Stadtteil Lichterfelde hat Anfang Januar zu einem der schwersten Stromausfälle der Hauptstadt seit Jahrzehnten geführt. Rund 45.000 bis 50.000 Haushalte sowie zahlreiche Gewerbebetriebe in Steglitz-Zehlendorf, Nikolassee, Wannsee und Teilen von Zehlendorf waren zeitweise ohne Strom, Heizung sowie teilweise ohne Mobilfunk- und Internetverbindung. Die Ermittlungen laufen weiterhin, mehrere Aspekte sind noch ungeklärt.

Ablauf und Auswirkungen des Stromausfalls

Nach Angaben von Polizei und Netzbetreiber begann der Stromausfall am Samstag, dem 3. Januar 2026, gegen 5 Uhr morgens. Unbekannte hatten an einer Kabelbrücke über den Teltowkanal Brandsätze gezündet. Die Brücke ist Teil einer zentralen Verbindung zwischen dem Gaskraftwerk Lichterfelde und dem Berliner Stromnetz und gilt als Bestandteil der kritischen Infrastruktur.

Die Reparaturarbeiten gestalteten sich aufwendig. Aufgrund der niedrigen Temperaturen, der beschädigten Hochspannungskabel und der schwer zugänglichen Lage arbeiteten mehr als 170 Fachkräfte teils rund um die Uhr an der Wiederherstellung der Versorgung. In den meisten betroffenen Gebieten konnte der Strom bis zum 7. Januar wieder zugeschaltet werden; vereinzelt kam es zu Verzögerungen.

Der Ausfall hatte erhebliche Folgen für den Alltag: Schulen blieben geschlossen, Supermärkte mussten verderbliche Waren entsorgen, Betriebe stellten den Betrieb ein. Einige Anwohnerinnen und Anwohner nutzten Notunterkünfte oder kamen bei Verwandten unter.

Ermittlungen wegen gezielter Sabotage

Die Berliner Polizei stuft den Vorfall als gezielten Sabotageakt ein. Aufgrund der Bedeutung des betroffenen Objekts übernahm die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen. Geprüft wird der Verdacht einer terroristischen Straftat. Festnahmen gab es bislang nicht.

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sprach früh von einem Anschlag auf die öffentliche Sicherheit. Die Sicherheitsbehörden betonen jedoch, dass die strafrechtliche Bewertung und die Frage der Täterschaft ausschließlich Ergebnis der laufenden Ermittlungen seien.

Bekennerschreiben und Bewertung durch Behörden

Am 4. Januar ging bei Medien und Behörden ein Bekennerschreiben ein, das einer Gruppierung mit dem Namen „Vulkangruppe“ zugeschrieben wird. Das Schreiben wurde auf einschlägigen Internetplattformen veröffentlicht und enthält nach Einschätzung der Ermittler Details zur Tat, die nicht öffentlich bekannt waren. Dies spricht aus Sicht der Behörden für einen möglichen Zusammenhang mit dem Anschlag.

In dem Text begründet die mutmaßliche Verfassergruppe die Tat ideologisch und richtet sich gegen kapitalistische Wirtschaftsstrukturen, fossile Energieversorgung und militärische Logistik. Konkrete politische Forderungen werden nicht formuliert; stattdessen wird Sabotage als Mittel des Widerstands propagiert.

Nach Einschätzung von Landeskriminalamt, Bundeskriminalamt und Verfassungsschutz weist das Schreiben Parallelen zu früheren Veröffentlichungen der „Vulkangruppe“ auf, die seit mehreren Jahren im linksextremistischen Spektrum verortet wird. Gleichwohl betonen die Behörden, dass die Authentizität des Schreibens noch nicht abschließend geklärt sei.

Weitere Schreiben und Zurückweisung von Spekulationen

In den Tagen nach dem Anschlag tauchten weitere Texte auf, die ebenfalls einen Bezug zur Tat herstellen. Eines weist ausdrücklich Spekulationen über eine ausländische Urheberschaft zurück und bekräftigt eine linksextremistische Motivation. Ein anderes Schreiben distanziert sich von der Tat und erklärt, die ursprüngliche Gruppe habe seit Jahren keine Anschläge mehr verübt.

Sicherheitsbehörden sehen derzeit keine Hinweise auf eine Beteiligung ausländischer Akteure. Entsprechende Spekulationen, die vereinzelt in sozialen Netzwerken kursierten, würden nicht durch belastbare Erkenntnisse gestützt, teilte die Berliner Polizei mit.

Offene Fragen und politische Einordnung

Der Anschlag hat eine erneute Debatte über den Schutz kritischer Infrastruktur ausgelöst. Experten verweisen darauf, dass Energieversorgung, Kommunikationsnetze und Verkehrssysteme grundsätzlich anfällig für Sabotage seien. Zugleich wird diskutiert, ob politisch motivierte Straftaten aus dem linksextremen Spektrum in der öffentlichen Wahrnehmung und Prävention ausreichend berücksichtigt werden.

Berichte über mögliche Todesfälle im Zusammenhang mit dem Stromausfall werden derzeit geprüft, sind aber nach Angaben der Behörden bislang nicht bestätigt.

Die Ermittlungen dauern an.

Solange keine Tatverdächtigen identifiziert sind, bleiben zentrale Fragen offen – insbesondere zur konkreten Täterschaft und zur organisatorischen Struktur hinter dem Anschlag. Die Sicherheitsbehörden betonen, dass Bewertungen erst nach Abschluss der Ermittlungen möglich seien. Der Vorfall zeigt jedoch bereits jetzt, welche weitreichenden Folgen gezielte Angriffe auf kritische Infrastruktur für eine Großstadt haben können – unabhängig von der politischen Motivation der Täter.

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By Lena Wallner

Lena Wallner ist Journalistin und behandelt vor allem politische und gesellschaftliche Themen. Sie schreibt über aktuelle Entwicklungen und gesellschaftliche Zusammenhänge. Ihre Texte zeichnen sich durch ein ausgezeichnetes Netzwerk und die Einbindung relevanter Quellen aus.

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