Eine aktuelle Studie von Wissenschaftlern der Universitäten Glasgow und Cambridge untersucht die Fähigkeit bestimmter Vogelgrippeviren, hohen Temperaturen zu widerstehen. Diese Eigenschaft könnte eine Anpassung an den Menschen erleichtern und damit das Risiko künftiger Infektionen erhöhen.
Glasgow/Cambridge – Während die Welt weiterhin mit den Folgen der COVID-19-Pandemie beschäftigt ist, rückt die Vogelgrippe erneut in den Fokus der Forschung. Forscher der Universitäten Glasgow und Cambridge haben in einer aktuellen Studie festgestellt, dass bestimmte Vogelgrippe-Stämme, darunter H5N1, gegenüber Fieber unempfindlich sind.
Im Gegensatz zu menschlichen Grippeviren, deren Vermehrung durch leichtes Fieber deutlich gehemmt wird, können sich diese Vogelviren auch bei erhöhter Körpertemperatur weiter replizieren. In Versuchen an Mäusen zeigte sich, dass eine Erhöhung der Körpertemperatur um nur zwei Grad – vergleichbar mit moderatem Fieber – die Replikation menschlicher Influenza-Viren stark einschränkt und den Verlauf der Infektion abmildert. Vogelgrippeviren hingegen zeigten keine Veränderung im Infektionsverlauf.
Diese sogenannte Hitze-Toleranz hat sich evolutionär bei Vögeln entwickelt und ermöglicht den Viren, in den Körperregionen von Vögeln – wie unteren Atemwegen oder Darm – bei Temperaturen bis zu 42 Grad Celsius zu überleben. Ein entscheidendes Gen dafür ist das PB1-Gen, das für die Replikation des viralen Genoms verantwortlich ist.
Potenzielle Übertragung auf den Menschen
Vogelgrippeviren können das PB1-Gen theoretisch mit menschlichen Grippeviren austauschen, etwa bei gemischten Infektionen in sogenannten „Mischgefäßen“ wie Schweinen. Historisch führten ähnliche Genaustausche bei den Influenza-Pandemien von 1957 und 1968 zu besonders virulenten Varianten.
Dr. Matt Turnbull von der University of Glasgow betont die Bedeutung der Forschung: „Der Austausch von Genen zwischen Viren ist eine fortwährende Bedrohung. Wir haben in früheren Pandemien gesehen, wie sich daraus neue Grippe-Erreger entwickeln können. Eine gezielte Überwachung von Vogelgrippe-Stämmen ist entscheidend, um potenziell gefährliche Varianten frühzeitig zu erkennen.“
Professor Sam Wilson von der University of Cambridge ergänzt: „Infektionen des Menschen mit Vogelgrippe bleiben selten, aber jedes Jahr werden mehrere Dutzend Fälle registriert. Bei H5N1-Infektionen lag die Sterblichkeitsrate historisch über 40 Prozent. Ein besseres Verständnis der Faktoren, die diese Viren für den Menschen so gefährlich machen, ist entscheidend für die Prävention.“
Schlussfolgerungen der Studie
Die Forscher empfehlen eine verstärkte Überwachung von Vogelpopulationen und potenziellen Spillover-Ereignissen, bei denen Viren auf den Menschen übergehen. Auch die Analyse der Temperaturresistenz von Viren könnte ein wichtiges Instrument sein, um gefährlichere Varianten frühzeitig zu identifizieren. Angesichts zunehmender Tier-Mensch-Kontakte durch Landwirtschaft und Klimawandel liefert diese Forschung wertvolle Hinweise für zukünftige Präventionsstrategien.
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