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  • 14. Juni 2026 8:41

Vogelgrippe (H5N1): Unterschätzte Gefahr oder kontrollierbares Risiko?

ByLena Wallner

Dez. 30, 2025

Die Vogelgrippe H5N1, ausgelöst durch das Influenza-A-Virus, sorgt weltweit weiterhin für erhebliche Verluste in der Tierwelt und wirft Fragen auf, wie gut wir auf mögliche künftige Gesundheitskrisen vorbereitet sind. Besonders besorgniserregend ist die Fähigkeit des Virus, von Vögeln auf Säugetiere überzuspringen, und die vereinzelten Infektionen beim Menschen – auch wenn eine nachhaltige Übertragung zwischen Menschen bisher nicht nachgewiesen wurde.

Globale Ausbreitung und Tiergesundheit

Seit 2020 breitet sich die H5N1-Variante der hochpathogenen aviären Influenza zunehmend global aus. Wildvögel dienen als Hauptreservoir und tragen das Virus über ihre Zugrouten über Kontinente hinweg. In Europa wurden zwischen dem 6. September und 28. November 2025 insgesamt 2.896 Ausbrüche gemeldet – davon 2.454 bei Wildvögeln und 442 in Haushuhn-Beständen in 29 Ländern, ein Viertel davon in Geflügelbetrieben. Dies stellt den höchsten Stand in diesem Zeitraum seit mindestens 2016 dar und zeigt deutlich die Ausdehnung und das Ausmaß der Tierinfektionen.

Auch in Nordamerika kommt es zu massiven Ausbrüchen. In den USA waren seit März 2024 über 1.000 Milchkuh-Herden betroffen, hauptsächlich in Kalifornien, gefolgt von Nevada und anderen Staaten (cidrap.umn.edu). Jede Tierinfektion erhöht die Schnittstellen zwischen Tier und Mensch und birgt damit epidemiologische Risiken. Global wurden seit September 2025 954 Ausbrüche bei Tieren in 38 Ländern gemeldet, vor allem durch H5N1 und verwandte Varianten.

Zoonotische Infektionen und Risiko für Menschen

Zoonosen – Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übergehen – wurden bei H5N1 dokumentiert und verliefen in einigen Fällen tödlich. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) gab es seit 2003 bis Ende September 2025 weltweit 991 bestätigte menschliche Fälle, davon 466 Todesfälle, was einer Sterblichkeitsrate von rund 48 % entspricht (cdn.who.int). In den USA wurden seit 2024 71 Fälle verzeichnet, hauptsächlich durch Kontakt mit Milchkühen und Geflügel, darunter 2 Todesfälle .

Trotz dieser Zahlen gilt das Risiko einer effizienten Übertragung von Mensch zu Mensch nach derzeitigem Wissensstand als gering. Die H5N1-Stämme binden vorwiegend an Vogel-typische Zellrezeptoren und nicht an die Rezeptoren, die in den oberen Atemwegen des Menschen dominieren. Epidemiologische Daten aus Europa und den USA bestätigen bisher keine nachhaltige Übertragung zwischen Menschen, auch wenn vereinzelte Infektionen bei landwirtschaftlichen Arbeitskräften nachgewiesen wurden.

Vielfalt der Wirtsspezies und genetische Risiken

Neuere Studien zeigen, dass H5N1 ein breites Wirtsspektrum infizieren kann – weit über Vögel hinaus. Nachgewiesen wurde das Virus in mindestens 74 Säugetierarten, darunter Rinder, Meeressäuger, Füchse, Katzen, Bobcats, Skunks und Waschbären. In den USA gab es 2025 zahlreiche Infektionen bei Säugetieren, etwa bei Bobcats in Texas, Louisiana und Oregon, Waschbären in Washington sowie Hauskatzen in North Dakota.

Diese Infektionen geben dem Virus zusätzliche Möglichkeiten, sich an Säugetiergewebe anzupassen – ein potenzieller Schritt hin zu einer humanen Infektionsfähigkeit. In Südamerika starben seit 2022 mindestens 50.000 Säugetiere an H5N1. Risikoanalysen zeigen, dass Übersprünge von Wildvögeln auf Nutztiere regional und zeitlich variieren, wie Modelle aus Dänemark belegen. Außerdem können genetische Veränderungen im Virus, etwa im Hämagglutinin-Protein, die Bindung an menschliche Zellen erleichtern und langfristig pandemisches Potenzial bergen.

Überwachung und Vorbereitung

Gesundheitsbehörden wie die US-Centers for Disease Control and Prevention (CDC) und das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) beobachten die Lage kontinuierlich und bewerten das Risiko für die Allgemeinbevölkerung aktuell als niedrig. Menschen mit beruflicher Exposition, etwa in der Landwirtschaft, sind jedoch einem moderaten bis höheren Risiko ausgesetzt.

Experten warnen zudem vor Lücken in der Überwachung und Datenweitergabe. Genetische Sequenzdaten aus Tier- und Humanfällen sind nicht immer zeitnah verfügbar, was die frühzeitige Erkennung neuer Risikostämme erschwert.

AspektAktuelle Daten (Stand Ende 2025)Quelle
Globale menschliche Fälle seit 2003991 Fälle, ~48 % LetalitätWHO
US-menschliche Fälle seit 202471 Fälle, 2 TodesfälleCDC
Betroffene Milchkuh-Herden USA>1.000USDA
Ausbrüche Europa (Sept-Nov 2025)2.896 (442 domestisch, 2.454 wild)EFSA/ECDC
Globale Tierausbrüche seit Sept 2025954 in 38 LändernFAO

Die Vogelgrippe H5N1 bleibt trotz geringer Übertragungsraten zwischen Menschen ein relevantes zoonotisches Risiko. Besonders die weite Verbreitung in Wild- und Nutztieren, die Infektion verschiedener Säugetiere und die genetische Wandelbarkeit des Virus machen eine kontinuierliche Überwachung und internationale Zusammenarbeit unerlässlich. Eine Pandemie ist derzeit nicht unmittelbar wahrscheinlich, doch eine gute Vorbereitung bleibt entscheidend, um ein mögliches Überspringen auf den Menschen frühzeitig zu erkennen und einzudämmen.

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By Lena Wallner

Lena Wallner ist Journalistin und behandelt vor allem politische und gesellschaftliche Themen. Sie schreibt über aktuelle Entwicklungen und gesellschaftliche Zusammenhänge. Ihre Texte zeichnen sich durch ein ausgezeichnetes Netzwerk und die Einbindung relevanter Quellen aus.

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