Zwar betrieb die Schweiz keinen eigenen Kolonialismus, doch war sie indirekt stark in koloniale Strukturen und den Sklavenhandel eingebunden. Schweizer Produkte, Waffen und Alkohol wurden nach Westafrika exportiert, wo Menschen als Sklaven verschifft und in der Neuen Welt verkauft wurden. Viele Schweizer Handelsunternehmen, aber auch private Unternehmer wie Alfred Escher, Jacques-Louis Pourtales oder David de Pury, profitierten vom Kolonialhandel.
Bereits in den 1930er Jahren wies der Sozialwissenschaftler Richard Fritz Behrendt nach, dass die Schweiz auch ohne Kolonien erheblich von der imperialen Politik anderer europäischer Staaten profitierte. Historiker sprechen von einem „sekundären Imperialismus“: Schweizer Missionare und Universitäten trugen zur Verbreitung kolonialer Ideologien bei, etwa durch Rassenforschung. Zudem dienten zahlreiche Schweizer Söldner in den Armeen imperialer Mächte.
Die Aufarbeitung dieser Vergangenheit stieß in der Schweiz lange auf Widerstand – ähnlich wie bei der Rolle der Schweizer Banken während der NS-Zeit. Offizielle Entschuldigungen oder Wiedergutmachungen fehlen bis heute. Auch während der Apartheid in Südafrika spielten Schweizer Banken und politische Akteure eine problematische Rolle, wie die Gründung der Arbeitsgruppe Südliches Afrika durch Christoph Blocher 1982 zeigt.
Rassismus ist bis heute ein gesellschaftliches Thema. Historische Initiativen wie die 1968 gestartete Schwarzenbach-Initiative zeigen, dass Ausländerpolitik in der Schweiz emotional stark umstritten war. Aktuelle Umfragen belegen weiterhin problematische Einstellungen, etwa die Akzeptanz des Begriffs „Mohrenkopf“.
Das Zürcher Landesmuseum widmete diesem Thema von September 2024 bis Januar 2025 die Ausstellung kolonial – Globale Verflechtungen der Schweiz. Sie verdeutlichte, dass auch Schweizer Universitäten koloniale Ideologien lehrten und dass das Interesse der Bevölkerung an der Aufarbeitung dieses Kapitels wächst.
Die Folgen des Kolonialismus prägen die Welt bis heute. Historische Ungleichheiten wirken sich noch immer auf wirtschaftliche, politische und soziale Strukturen aus. Viele Schweizer Großunternehmen, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegründet wurden, konnten so von kolonialen Strukturen profitieren und behalten teilweise Einfluss in Ländern des Globalen Südens.
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