Manche Geschichten des Zweiten Weltkriegs bleiben bis heute im Schatten. Zu ihnen gehört das Leben von Aline Valangin, geborene Ducommun (1889–1986), die im abgelegenen Onsernone-Tal im Tessin vielen Verfolgten des NS-Regimes zumindest vorübergehend Schutz bot.
Aline wuchs in Bern auf, als Enkelin von Élie Ducommun, der 1902 den Friedensnobelpreis erhalten hatte. Ihr familiäres Erbe – Humanismus, Verantwortungsbewusstsein, politisches Engagement – prägte sie nachhaltig. Nach einer musikalischen Ausbildung und dem Umzug nach Zürich heiratete sie den jüdischen Anwalt Wladimir Rosenbaum. Das Paar bewegte sich in einem lebendigen Kreis von Künstlerinnen und Intellektuellen: Kurt Tucholsky, Hans Arp, Sophie Taeuber, Elias Canetti und C. G. Jung zählten zu ihrem Umfeld.
Ende der 1920er Jahre erwarben die Rosenbaums die abgelegene Villa La Barca im Onsernone-Tal, nahe der italienischen Grenze. Das Haus wurde in den 1930er und frühen 1940er Jahren zu einem wichtigen Zufluchtsort. Bekannte Antifaschisten, Exil-Schriftsteller und Künstler fanden dort Unterschlupf, manche für Wochen, manche für Monate. Namen wie Ignazio Silone oder Ernst Toller sind in diesem Zusammenhang immer wieder genannt worden.
Die Villa La Barca war kein großes Flüchtlingslager und keine organisierte Rettungsstation. Sie war vielmehr ein privater, riskanter Schutzraum, der durch die Diskretion und den Mut der beiden Gastgeber funktionierte – in einer Zeit, in der die Schweiz offiziell eine sehr restriktive Flüchtlingspolitik verfolgte und private Fluchthilfe durchaus strafrechtliche Konsequenzen haben konnte.
Nach der Scheidung von Wladimir Rosenbaum heiratete Aline den Komponisten Wladimir Vogel und lebte später in Ascona. Unter dem Namen Aline Valangin veröffentlichte sie Romane und Erzählungen, die von ihrem bewegten Leben und ihrer sensiblen Beobachtungsgabe zeugen.
Aline Valangin starb 1986 mit 97 Jahren. Ihre Geschichte ist kein großes Heldendrama, sondern das Beispiel einer Frau, die in einer gefährlichen Zeit auf ihre Weise handelte: unkonventionell, beherzt und ohne viel Aufhebens um sich selbst. Gerade deshalb lohnt es sich, sie nicht zu vergessen.
(Quellen u. a.: Peter Kamber: „Geschichte zweier Leben – Wladimir und Aline Rosenbaum“, 1997/Neuauflage; Archiv der Villa La Barca; Publikationen des Limmat Verlags)
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