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  • 11. März 2026 11:53

Covid-19 wirkt langfristig auf das Herz-Kreislauf-System – Frauen tragen ein höheres Risiko

ByDavid Aebischer

Dez. 29, 2025

Noch Jahre nach einer überstandenen Covid-19-Infektion zeigen sich bei vielen Betroffenen gesundheitliche Spuren. Eine internationale Studie legt nun nahe, dass das Virus auch langfristig das Herz-Kreislauf-System beeinflussen kann: Die Blutgefäße altern schneller – bei Frauen deutlich stärker als bei Männern.

Veröffentlicht wurde die Untersuchung im renommierten European Heart Journal. Das Forschungsteam um die Kardiologin Prof. Rosa Maria Bruno von der Université Paris Cité untersuchte, wie sich eine Covid-19-Erkrankung auf die sogenannte Gefäßsteifigkeit auswirkt – ein zentraler Risikofaktor für Herzinfarkte und Schlaganfälle.

Gefäßalter statt Lebensalter

Mit zunehmendem Alter verlieren Blutgefäße natürlicherweise an Elastizität. Dieser Prozess kann jedoch beschleunigt werden – etwa durch Bluthochdruck, Diabetes oder Rauchen. Die neue Studie zeigt nun: Auch eine Covid-19-Infektion kann diesen Alterungsprozess deutlich vorantreiben.

Untersucht wurden 2.390 Erwachsene aus 16 Ländern, darunter Österreich, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, die USA und Australien. Die Teilnehmenden wurden je nach Krankheitsverlauf in Gruppen eingeteilt: ohne Covid-Erkrankung, milde Verläufe ohne Krankenhausaufenthalt sowie schwere Verläufe mit Behandlung auf Normal- oder Intensivstation.

Sechs und zwölf Monate nach der Infektion wurde bei den Probandinnen und Probanden die Steifigkeit der großen Arterien gemessen. Dafür nutzten die Forschenden ein etabliertes Verfahren, bei dem die Geschwindigkeit einer Druckwelle zwischen Hals- und Beinarterien bestimmt wird. Je schneller sich diese Welle ausbreitet, desto steifer – und damit biologisch älter – sind die Gefäße.

Auch milde Verläufe zeigen Wirkung

Das Ergebnis ist eindeutig: Alle Personen mit durchgemachter Covid-19-Infektion wiesen steifere Arterien auf als jene ohne Infektion – selbst nach milden Krankheitsverläufen. Besonders ausgeprägt war der Effekt bei Frauen und bei Menschen mit anhaltenden Beschwerden wie Müdigkeit oder Atemnot, also typischen Symptomen von Long Covid.

Bei Frauen zeigte sich je nach Schwere der Erkrankung eine Zunahme der Gefäßsteifigkeit, die einer vorzeitigen Alterung von rund fünf Jahren entspricht. Fachlich gilt bereits ein Anstieg von etwa 0,5 Metern pro Sekunde als klinisch relevant – verbunden mit einem messbar erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Warum Frauen stärker betroffen sind

Warum Frauen stärker betroffen sind als Männer, ist noch nicht abschließend geklärt. Die Forschenden sehen einen möglichen Zusammenhang mit dem Immunsystem. Frauen reagieren auf Infektionen oft schneller und intensiver – was einerseits schützt, andererseits aber auch Entzündungsprozesse im Gefäßsystem verstärken kann.

Hinzu kommt, dass das Coronavirus direkt an Rezeptoren der Gefäßinnenwand andockt, sogenannte ACE2-Rezeptoren. Diese spielen eine zentrale Rolle bei der Regulation des Blutdrucks und der Gefäßfunktion. Wird dieses fein abgestimmte System gestört, kann dies langfristige strukturelle Schäden begünstigen.

Impfung scheint schützend zu wirken

Ein weiterer Befund: Geimpfte Personen wiesen im Durchschnitt weniger ausgeprägte Veränderungen der Gefäßsteifigkeit auf als Ungeimpfte. Zudem deutet die Studie darauf hin, dass sich die Gefäßalterung im Laufe der Zeit zumindest teilweise stabilisieren oder leicht zurückbilden kann.

Peer-Review und wissenschaftliche Einordnung

Die Ergebnisse stammen aus einer peer-reviewten Studie, veröffentlicht im European Heart Journal. Damit wurden Daten und Methoden von unabhängigen Fachkolleginnen und Fachkollegen geprüft, was die wissenschaftliche Verlässlichkeit der Ergebnisse unterstreicht. Die Studie liefert wertvolle Hinweise auf mögliche Langzeitfolgen von Covid-19, sollte jedoch als Teil eines wachsenden Forschungsfeldes betrachtet werden.

Einschränkungen der Untersuchung

Die Autorinnen und Autoren betonen, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt. Kausale Aussagen darüber, dass Covid-19 die Gefäßalterung direkt verursacht, sind daher nur eingeschränkt möglich. Auch regionale Unterschiede, Vorerkrankungen oder individuelle Lebensstilfaktoren könnten die Ergebnisse beeinflussen. Die biologischen Gründe für den stärkeren Effekt bei Frauen sind ebenfalls noch nicht vollständig verstanden.

Langzeitfolgen weiter unklar

Obwohl die Studie Hinweise liefert, dass geimpfte Personen tendenziell weniger Gefäßalterung aufweisen, sind die langfristigen gesundheitlichen Folgen weiterhin nicht abschließend geklärt. Weitere Untersuchungen über mehrere Jahre sind nötig, um das Risiko von Herzinfarkt und Schlaganfall nach Covid-19 vollständig abschätzen zu können.

Die Ergebnisse unterstreichen einmal mehr: Covid-19 ist keine rein akute Atemwegserkrankung. Die Folgen können tief in den Körper eingreifen – und insbesondere Frauen langfristig belasten. Prävention, frühzeitige Diagnostik und konsequente Nachsorge gewinnen damit weiter an Bedeutung.

-> Zur Studie

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By David Aebischer

David Aebischer ist Journalist und Autor mehrerer Bücher, darunter Romane und literarische Texte. Er schreibt zudem zu gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Themen. Seine Texte zeichnen sich durch Vielseitigkeit, klare Struktur und reflektierte Darstellung aus.

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