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  • 12. April 2026 11:59

Niedrigdosiertes Naltrexon: Ein möglicher Ansatz bei Long COVID

ByLena Wallner

Dez. 28, 2025

Long COVID kann Monate oder Jahre nach einer SARS-CoV-2-Infektion weiterhin Beschwerden wie Müdigkeit, Konzentrationsstörungen („Brain Fog“) oder Muskelschmerzen verursachen und den Alltag erheblich beeinträchtigen. Bislang gibt es kein von der FDA zugelassenes Medikament, das gezielt gegen die Langzeitfolgen von COVID-19 wirkt.

Eine aktuelle Analyse von Dr. David S. Lingenfelter, unabhängiger Wissenschaftler, beschäftigt sich mit niedrigdosiertem Naltrexon (Low Dose Naltrexone, LDN) als potenzieller Therapieoption. Lingenfelter beschreibt pharmakologische Mechanismen, erste klinische Daten und regulatorische Aspekte und diskutiert, wie LDN die Lebensqualität von Betroffenen beeinflussen könnte.

Wirkmechanismen von LDN

Naltrexon wird in höheren Dosen vor allem in der Suchttherapie eingesetzt. In niedriger Dosierung (1 bis 4,5 mg täglich) scheint es andere Effekte zu entfalten, darunter die Modulation des Immunsystems, neuroprotektive Wirkungen und die Abschwächung entzündlicher Prozesse.

Zu den vermuteten Mechanismen gehören:

  • Neuroinflammation: LDN könnte chronisch aktivierte Immunzellen im Gehirn dämpfen, die mit Long-COVID-Symptomen in Verbindung gebracht werden.
  • Immunsystem: Die Substanz kann die Produktion körpereigener Beta-Endorphine erhöhen, was unter anderem die T-Zell-Funktion moduliert.
  • Ionentransport: LDN könnte die Funktion von TRPM3-Ionenkanälen in Immunzellen unterstützen, die für Energieproduktion und Abwehrmechanismen relevant sind.
  • Zellwachstum: Mögliche Beeinflussung der Opioid Growth Factor-Achse, die Zellreparatur und Gewebegesundheit fördert.

Bisherige Studienlage

Die bisherige Forschung zu LDN bei Long COVID ist vorläufig:

  • Eine irische Studie mit 38 Patienten berichtete nach zwei Monaten über Verbesserungen bei Schmerz, Energie und Konzentration.
  • An der Stanford University gaben 63 Prozent der behandelten Patienten an, eine spürbare Besserung bei Fatigue und kognitiver Leistungsfähigkeit wahrzunehmen.

Die Stichprobengrößen sind klein, und die Studien sind nicht durchgehend randomisiert oder doppelblind. Aussagekräftige Daten aus großen, kontrollierten Studien fehlen bislang.

Anwendung und Sicherheit

Die Dosierung wird individuell angepasst („Start Low, Go Slow“). Bekannte Nebenwirkungen sind mild und vorübergehend, wie lebhafte Träume, leichte Magenbeschwerden oder kurzzeitige Müdigkeit. Wichtig: Während der Behandlung sollten keine opioidhaltigen Schmerzmittel eingenommen werden.

Ausblick

Groß angelegte Studien, darunter die RECOVER-TLC-Initiative der US National Institutes of Health und eine Doppelblindstudie in British Columbia, sollen in den kommenden Jahren belastbare Daten liefern. Erste Ergebnisse werden für Ende 2025/2026 erwartet und könnten eine Grundlage für eine offizielle Zulassung sein.

Fazit

Niedrigdosiertes Naltrexon ist derzeit kein zugelassenes Medikament gegen Long COVID. Erste Hinweise deuten jedoch darauf hin, dass LDN bei einzelnen Patienten bestimmte Symptome verbessern könnte. Solange belastbare klinische Daten fehlen, sollte die Substanz nur unter ärztlicher Aufsicht und im Rahmen von Studien oder kontrollierter Off-Label-Anwendung eingesetzt werden. LDN stellt damit einen potenziellen Ansatz dar, dessen Nutzen und Sicherheit in größeren Studien noch geprüft werden müssen.

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By Lena Wallner

Lena Wallner ist Journalistin und behandelt vor allem politische und gesellschaftliche Themen. Sie schreibt über aktuelle Entwicklungen und gesellschaftliche Zusammenhänge. Ihre Texte zeichnen sich durch ein ausgezeichnetes Netzwerk und die Einbindung relevanter Quellen aus.

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