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  • 9. Oktober 2026 10:41

Wie Donald Trump 2025 Außenpolitik als Geschäft betreibt

Weihnachten bot in diesem Jahr einen irritierenden Einblick in den politischen Stil des amerikanischen Präsidenten. Während die offizielle Weihnachtsbotschaft des Weißen Hauses mit religiösem Pathos von Erlösung und Auferstehung sprach, genügten Donald Trump auf seiner Plattform Truth Social wenige Worte: „Freude der Welt! Fröhlichen Freitag.“ Der Kontrast wirkt banal – und ist doch bezeichnend. Er verweist auf eine Präsidentschaft, die zwischen Inszenierung und Provokation pendelt und deren außenpolitische Konsequenzen weit über symbolische Gesten hinausreichen.

Denn hinter den Feiertagsgrüßen verbirgt sich eine Strategie, die Kritiker zunehmend beunruhigt: Trumps Außenpolitik im Jahr 2025 folgt weniger den klassischen Kategorien von Diplomatie, Völkerrecht oder Bündnistreue als einer ökonomischen Kosten-Nutzen-Rechnung. Territorien, Rohstoffe und geopolitischer Einfluss erscheinen darin nicht als Fragen kollektiver Sicherheit, sondern als verwertbare Güter.

Außenpolitik nach Geschäftslogik

Donald Trump hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er die Welt aus der Perspektive eines Unternehmers betrachtet. Schon in seiner ersten Amtszeit verstand er internationale Beziehungen als Verhandlungsmasse. In seiner zweiten Präsidentschaft ist diese Haltung radikaler geworden. Außenpolitik wird zur Transaktion, Macht zum Hebel, Druck zum legitimen Mittel.

Verbündete Staaten sehen sich mit Zöllen konfrontiert, die Trump offen als Eintrittspreis für den Zugang zum amerikanischen Markt bezeichnet. Militärische Unterstützung wird nicht mehr als Beitrag zur Stabilität verstanden, sondern als Investition, die sich auszahlen muss – idealerweise in bar oder in Form exklusiver Zugriffsrechte auf Ressourcen.

Diese Denkweise prägt auch Trumps Rhetorik. Vor US-Soldaten in Japan sprach er jüngst mit auffälliger Nostalgie von Zeiten, in denen „der Sieger die Beute erhielt“. Moderne Kriege, so Trump, seien ineffizient: Man gewinne, ohne etwas mitzunehmen. Diese „politische Korrektheit“ wolle er beenden.

Krisen als Gelegenheit

Besonders deutlich zeigt sich diese Haltung in aktuellen Konfliktregionen. Im Nahen Osten verknüpfte Trump den Wiederaufbau des zerstörten Gazastreifens mit einem weitreichenden wirtschaftlichen Einfluss der USA. Sein Plan sieht massive Investitionen vor – jedoch unter langfristiger amerikanischer Kontrolle zentraler Wirtschaftsbereiche. Offiziell spricht Trump von Stabilisierung und „Deradikalisierung“, Kritiker sehen darin die Instrumentalisierung eines humanitären Desasters für wirtschaftliche Interessen. Dass palästinensische Akteure kaum einbezogen wurden, verstärkt diese Wahrnehmung.

Ähnlich gelagert ist der Fall Ukraine. Nachdem Washington zeitweise militärische Hilfe verzögerte, einigte sich die US-Regierung mit Kiew auf einen Fonds für den Wiederaufbau, der amerikanischen Investoren bevorzugten Zugang zu seltenen Erden und anderen Rohstoffen verschafft. Trump erklärte offen, dieses Abkommen sei „mehr wert“ als sämtliche bisherige Unterstützungsleistungen. Sicherheitspolitik wird so zur Vorleistung, die später Rendite abwerfen soll.

Drohungen gegen Souveränität

Zunehmend richtet sich Trumps Politik auch direkt gegen die territoriale Integrität anderer Staaten. Panama sieht sich mit der Behauptung konfrontiert, es verletze den Neutralitätsvertrag über den Panamakanal. Militärische Optionen werden zumindest rhetorisch ins Spiel gebracht – offiziell wegen chinesischer Einflussnahme, faktisch jedoch als Machtdemonstration in einer strategisch sensiblen Region.

Für diplomatische Verstörung sorgten auch Trumps Äußerungen zu Kanada. Zölle wurden als Druckmittel eingesetzt, Annexion zumindest angedeutet. Dass der Präsident später relativierte, änderte wenig am Schaden: Das Verhältnis zwischen Ottawa und Washington gilt seither als nachhaltig belastet.

Besonders eskalierend ist die Situation in Venezuela. Unter Berufung auf angeblich „gestohlene“ Ressourcen ließ Trump Tanker beschlagnahmen und stellte offen in Aussicht, venezolanisches Öl einzubehalten oder zu verkaufen. Parallel dazu signalisiert Washington amerikanischen Energiekonzernen Unterstützung für eine Rückkehr nach einem möglichen Regimewechsel. Die Grenze zwischen Sanktionspolitik und wirtschaftlicher Aneignung verschwimmt.

Grönland als Symbol

Zum Symbol dieser Politik ist Grönland geworden. Was einst als diplomatische Provokation belächelt wurde, verfolgt Trump nun mit Nachdruck. Mit wirtschaftlichem und militärischem Druck versucht seine Regierung, die Insel aus dem dänischen Staatsverband zu lösen. Trump begründet dies mit nationaler Sicherheit – und weist historische Souveränitätsansprüche kühl zurück. Für Kopenhagen ist das ein Affront, für viele Beobachter ein alarmierender Präzedenzfall.

„America First“ neu interpretiert

Viele von Trumps Wählern verbanden mit „America First“ einst die Hoffnung auf weniger internationale Verstrickungen. Tatsächlich verfolgt der Präsident das Gegenteil: eine offensive, expansive Strategie, die Einflusszonen sichert und Ressourcen bindet. Die Nationale Sicherheitsstrategie 2025 spricht offen von verstärkter militärischer Präsenz in der westlichen Hemisphäre – nicht zuletzt zur Kontrolle von Migration und Rohstoffen.

Außenpolitische Fachleute warnen vor den langfristigen Folgen. Der Verlust von Vertrauen, die Erosion internationaler Regeln und die Schwächung von Allianzen könnten die USA teuer zu stehen kommen. Was kurzfristig als Durchsetzungskraft erscheint, droht langfristig die globale Ordnung zu destabilisieren.

Donald Trump inszeniert sich gern als Friedenspräsident. Doch seine Politik folgt einer anderen Logik: Solange sich Konflikte in Gewinn verwandeln lassen, gelten sie als lösbar. Die Frage ist nicht mehr, ob diese Strategie moralisch vertretbar ist – sondern wie lange sie tragfähig bleibt, bevor der Preis höher wird als die Beute.

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By Anton Aeberhard

Anton Aeberhard ist Journalist und schreibt zu gesundheitlichen, wissenschaftlichen sowie politischen und gesellschaftlichen Themen. Seine Beiträge befassen sich mit aktuellen Entwicklungen und deren Hintergründen. Seine Texte zeichnen sich durch analytische Tiefe und eine klare Gewichtung der zentralen Argumente aus.

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